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Grundeinkommen geht weiter PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 19. Dezember 2009 um 00:00 Uhr

Das erfolgreiche Grundeinkommensprojekt in Namibia wird behelfsmäßig fortgesetzt. Das Pilotprojekt zur Auszahlung eines Grundeinkommens (Basic Income Grant, BIG) in der namibischen Gemeinde in Otjivero läuft zum Ende des Jahres aus. Damit die Bewohner des Ortes auch weiterhin finanziell unterstützt werden, bekommen sie ab Januar 2010 monatlich und pro Person jeweils 80 Namibia-Dollar ausgezahlt. Bisher waren es 100 Namibia-Dollar, die offiziell im Rahmen des BIG-Projektes pro Monat und Person an die Einwohner Otjiveros ausgezahlt wurden. Träger des Projektes und der fortgeführten Zahlungen ist die sog. "BIG-Coalition". Sie ist eine Vereinigung von Kirchen, Handelsgesellschaften, NGOs und Hilfsorganisationen, die gemeinsam das Geld aufbrachten, um der Gemeinde ein Grundeinkommen zahlen zu können. Unterstützung von der Regierung erhielt die Initiative nicht. Die finanzielle Hilfe kam vor allem von Organisationen wie Brot für die Welt, Lutheranischer Weltbund, Vereinte Evangelische Mission, Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche in Westfalen, Friederich-Ebert-Stiftung und anderen.

Die BIG-Coalition fordert nun von der Regierung Namibias die landesweite Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. In einer Erklärung zeigte sich der Verbund von der namibischen Regierung enttäuscht, da diese offenbar nicht die „eindrucksvollen Ergebnisse“ des Pilotprojekts zur Kenntnis nehme. Die Koalition weist darauf hin, dass seit der Auszahlung des Grundeinkommens in Otjivero insbesondere Unterernährung, Arbeitslosigkeit, die Zahl der Schulabbrüche sowie die Kriminalität deutlich zurück gegangen sei. Kritisiert wird das Projekt hauptsächlich von weißen Farmern, die ihre rassistische und puritanische Herrenmenschenmentalität durch die finanzielle Unterstützung der Dorfbewohner durch das Grundeinkommen gefährdet sehen.

Die landesweite Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia erfordert nach Berechnungen der BIG-Koalition ein Budget von 1,4 Milliarden Namibia-Dollar pro Jahr. Dies seien 5,7 Prozent des Staatshaushaltes Namibias. Dementsprechend sei die Einführung des BIG eine „Frage des politischen Willens“, so die Koalition. Die Finanzierung der ab Januar 2010 fortgesetzten Zahlungen an die Bewohner Otjiveros für ein weiteres Jahr wird wie bisher von der BIG-Koalition übernommen, da sie dafür genug Geld sammeln konnte.

Darüber hinaus soll es demnächst auch in Deutschland einen Praxistest für ein Bedingungsloses Grundeinkommen geben. Verantwortlich hierfür zeichnen sich die Stuttgarter Breuninger-Stiftung, sowie das Interfakultative Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe, welches von Götz Werner geleitet wird, einem langjährigen Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens. Den Planungen zufolge sollen je 100 Teilnehmer an zwei unterschiedlichen deutschen Standorten für einen Zeitraum von zwei Jahren ein festes Grundeinkommen von monatlich 800 Euro, zuzüglich der Beiträge zur Sozialversicherung erhalten. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, wurden als Testgebiete zum Einen mit Stuttgart eine wirtschaftlich starke, sowie mit Brandenburg dagegen eine strukturschwächere Region ausgewählt. Der Start des Projekts ist für Mitte 2010 vorgesehen. Nachteilig bzw. nur bedingt aussagekräftig werden die Ergebnisse dieses Projektes aber dennoch sein, da es nicht unter "realistischen" Bedingungen stattfindet, also eingebettet in einem einheitlichen sozialen Rahmen, wie etwa in Namibia, wo mit einem ganzen Dorf eine soziale Einheit ein Grundeinkommen bekam, und somit ein wesentlich realistischeres Abbild einer Grundeinkommensgesellschaft, mit entsprechend aussagekräftigeren Ergebnissen, geschaffen worden ist.

 

 

 

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Das Bedingungslose Grundeinkommen: Psychologische Aspekte

Unter dem Titel "Die Re-Humanisierung der Gesellschaft?" erläutert der Psychologe Prof. Theo Wehner die psychologischen Aspekte des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wehner erforscht als Arbeits- und Organisationspsychologe u.a. auch menschliche Tätigkeitsmotive. Das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens erscheint ihm dabei weniger utopisch als der moderne Mythos von der Vollbeschäftigung. Das gesamte Interview gibt es hier als pdf-Datei zum Lesen und Herunterladen. Im Folgenden drei kurze Auszüge aus dem Interview, das letztes Jahr in der Dezember-Ausgabe der schweizerischen Fachzeitschrift "Psychoscope" erschien.


"Seit 1970 erhöht sich die Zahl der Güter und Dienstleistungen, die wir pro Stunde zu produzieren in der Lage sind, jährlich um ca. 2,6 Prozent. Dies entspricht einer Verdoppelung der Produktivität in 27 Jahren! Berücksichtigt man zusätzlich die Arbeitslosenquote – in der Eurozone liegt sie bei 9,4 Prozent – und nimmt zur Kenntnis, dass sich durch die Globalisierung das Angebot an Arbeitskräften auf ca. 3 Milliarden erhöht hat, so ist Vollbeschäftigung – wenn man einmal von sittenwidrigen Verträgen und Dumpinglöhnen absieht – die utopischere Vorstellung als jene des bedingungslosen Grundeinkommens (bGE)."

"Abgesehen von der erstaunlichen Unwissenheit darüber, was Kommunismus tatsächlich bedeutet, nämlich die Freiheit des Einzelnen gerade nicht zu stärken und ihn in den Arbeitsdienst zu schicken, und abgesehen davon, dass auch einige bGE-Mitstreiter von einer «capitalist road to communism» sprechen, geht es bei der Auseinandersetzung nicht um Verteilungsprobleme oder um den Besitz von Produktionsmitteln; es geht vielmehr um ein Menschenrecht, nämlich jenes der Existenzsicherung jenseits der Notwendigkeit zur Lohnarbeit. So wie wir mit dem Eintritt in die Gesellschaft die Bürgerrechte bedingungslos bekommen, so kann man sich durchaus vorstellen, dass ein Grundeinkommen, bedingungslos und über der Armutsgrenze liegend, jedem Bürger und jeder Bürgerin gewährt wird."

"Versetzen wir uns gedanklich in die Zeit des bGE, so würde ich vermuten, dass Psychologinnen und Psychologen nicht mehr nur im Dienste der Selektion, Qualifizierung und Eingliederung in den Erwerbsarbeitsprozess sowie der Reparatur von negativen Auswirkungen durch Erziehung, Schule und Arbeit, sondern im Dienste der Selbstverwirklichung und in der Umsetzung von Kriterien «guter Erziehung, Bildung und Arbeit» tätig sein würden; ob dazu der Mainstream momentaner Variablenpsychologie taugt, ist allerdings zu bezweifeln! Vieles an Forschung, womit heute «Impact» erzielt werden kann, würde in Zeiten des bGE u.U. keinerlei Eindruck mehr machen; es würde vielmehr deutlich, wie sehr ein Grossteil heutiger Forschung als Lohnarbeitspsychologie zu kennzeichnen wäre."

 

 

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