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Vortrag von Sascha Liebermann PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 12. August 2010 um 02:00 Uhr

Zu Beginn der Woche sprach Sascha Liebermann von der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" auf der "undjetzt?! - Konferenz" über das Bedingungslose Grundeinkommen. "undjetzt?!" ist eine Konferenz von und für RückkehrInnen von entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten, die sich dieser Tage in Witten treffen. Noch bis Samstag werden derzeit auf dem Campus der Universität Witten-Herdecke Vorträge, Workshops, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen über entwicklungspolitische und gesellschaftlich relevante Themen angeboten. Ziel der Konferenz ist neben der Planung von eigenen und neuen Initiativen die Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine wünschenswerte Gesellschaft aussehen könnte.

Dementsprechend darf natürlich auch das Thema Grundeinkommen nicht fehlen. Darüber sprach Sascha Liebermann am Montag in einem knapp halbstündigen Vortrag. Die von Liebermann im Jahre 2003 mitgegründete Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" wirbt mit Beiträgen, Artikeln, Vorträgen und Aktionen seitdem für das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens. Dr. Sascha Liebermann ist Philosoph, Soziologe und Psychoanalytiker und beschäftigt sich insbesondere wissenschaftlich mit der Ausarbeitung der Möglichkeiten, Bedingungen und Auswirkungen eines Grundeinkommens. 

 

Bedingungsloses Grundeinkommen - Sascha Liebermann auf undjetzt?!-2010 from benjamin hohlmann on Vimeo.

 

Die Finanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens:

 

 

 

Grundeinkommen und "unbeliebte Arbeit":

 

 

 

 

 

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Das Bedingungslose Grundeinkommen: Psychologische Aspekte

Unter dem Titel "Die Re-Humanisierung der Gesellschaft?" erläutert der Psychologe Prof. Theo Wehner die psychologischen Aspekte des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wehner erforscht als Arbeits- und Organisationspsychologe u.a. auch menschliche Tätigkeitsmotive. Das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens erscheint ihm dabei weniger utopisch als der moderne Mythos von der Vollbeschäftigung. Das gesamte Interview gibt es hier als pdf-Datei zum Lesen und Herunterladen. Im Folgenden drei kurze Auszüge aus dem Interview, das letztes Jahr in der Dezember-Ausgabe der schweizerischen Fachzeitschrift "Psychoscope" erschien.


"Seit 1970 erhöht sich die Zahl der Güter und Dienstleistungen, die wir pro Stunde zu produzieren in der Lage sind, jährlich um ca. 2,6 Prozent. Dies entspricht einer Verdoppelung der Produktivität in 27 Jahren! Berücksichtigt man zusätzlich die Arbeitslosenquote – in der Eurozone liegt sie bei 9,4 Prozent – und nimmt zur Kenntnis, dass sich durch die Globalisierung das Angebot an Arbeitskräften auf ca. 3 Milliarden erhöht hat, so ist Vollbeschäftigung – wenn man einmal von sittenwidrigen Verträgen und Dumpinglöhnen absieht – die utopischere Vorstellung als jene des bedingungslosen Grundeinkommens (bGE)."

"Abgesehen von der erstaunlichen Unwissenheit darüber, was Kommunismus tatsächlich bedeutet, nämlich die Freiheit des Einzelnen gerade nicht zu stärken und ihn in den Arbeitsdienst zu schicken, und abgesehen davon, dass auch einige bGE-Mitstreiter von einer «capitalist road to communism» sprechen, geht es bei der Auseinandersetzung nicht um Verteilungsprobleme oder um den Besitz von Produktionsmitteln; es geht vielmehr um ein Menschenrecht, nämlich jenes der Existenzsicherung jenseits der Notwendigkeit zur Lohnarbeit. So wie wir mit dem Eintritt in die Gesellschaft die Bürgerrechte bedingungslos bekommen, so kann man sich durchaus vorstellen, dass ein Grundeinkommen, bedingungslos und über der Armutsgrenze liegend, jedem Bürger und jeder Bürgerin gewährt wird."

"Versetzen wir uns gedanklich in die Zeit des bGE, so würde ich vermuten, dass Psychologinnen und Psychologen nicht mehr nur im Dienste der Selektion, Qualifizierung und Eingliederung in den Erwerbsarbeitsprozess sowie der Reparatur von negativen Auswirkungen durch Erziehung, Schule und Arbeit, sondern im Dienste der Selbstverwirklichung und in der Umsetzung von Kriterien «guter Erziehung, Bildung und Arbeit» tätig sein würden; ob dazu der Mainstream momentaner Variablenpsychologie taugt, ist allerdings zu bezweifeln! Vieles an Forschung, womit heute «Impact» erzielt werden kann, würde in Zeiten des bGE u.U. keinerlei Eindruck mehr machen; es würde vielmehr deutlich, wie sehr ein Grossteil heutiger Forschung als Lohnarbeitspsychologie zu kennzeichnen wäre."

 

 

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