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Arbeit und Einkommen - Nicht Leistung, sondern Leben muss sich lohnen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 31. März 2011 um 20:43 Uhr

Die größten Freiheitsfeinde der Gegenwart sind der Lohn- und Leistungskult des Liberalismus. Der nichts weiter als ein pervertiertes Freiheitssurrogat anzubieten hat und dieses etabliert, solange sich Menschen dem masochistischen Zwangsdenken ausliefern, dass sich Arbeit und Leistung lohnen müssten.

Die Vernunft und ein aufgeklärtes Freiheitsverständnis sprechen dagegen eine gänzlich andere Sprache: Nicht Leistung, sondern Leben muss sich lohnen. Nicht Arbeit, sondern Einkommen muss sich lohnen. Leistung oder Arbeit muss sich nicht lohnen, sondern bezahlt werden. Genauer gesagt, als Einkommen vergütet werden.

Es gibt drei verschiedene Arten von Einkommen: Zum Einen das Einkommen, das als Entschädigung für die dargebrachte Zeit und Mühe gezahlt wird. Zum Anderen Einkommen, das als Gewinnbeteiligung ausgezahlt wird. Außerdem auch Einkommen, das als Existenzsicherung ausgezahlt wird, um überhaupt arbeiten zu können. Genauer gesagt: Um leben zu können, um arbeiten zu können.

Dass Einkommen in aller Regel fast nie unter diesen Gesichtspunkten betrachtet wird, sondern stattdessen als Lohn, als Belohnung und (Leistungs-)Ausgleich für bereits vollbrachte Arbeit ausgegeben und faktisch auch verwirklicht wird, ist der große Betrug der liberalen Ökonomie an den Erwerbsarbeitenden.

Dass Menschen gegenwärtig dazu gezwungen sind, erbrachte Leistungen als Lohn ausgleichen zu müssen, um leben zu können, weil das Leben selbst nicht als Rechtsanspruch realisiert wurde, und dies nicht einmal allgemein in Betracht gezogen wird, ist ein noch größerer Betrug dieses ökonomischen Herrschaftsapparates an den Menschen.

Auf diese Weise wird eine subtile, aber faktische Zwangsarbeitsgesellschaft errichtet - und damit auch jener Herrschaftsapparat, der Menschen nur noch als Untertanen und Nutzvieh betrachtet. Die Sklavenideologie dieser Machtordnung ist der Arbeitskult des Liberalismus. Er ist der Betrug dieses Systems und der darin Herrschenden an den unterworfenen Menschen.

Der Arbeitskult ist zugleich auch der große Selbstbetrug der Erwerbsarbeitenden gegen sich selbst. Das dahinter zum Ausdruck kommende äußerst infantile Belohnungs- und Leistungsausgleichsdenken ist das ideologisch-moralistische Mittel zur Entmündigung und zum abhängig machen der Menschen von den Mechanismen der Kapitalverwertung durch Arbeit.

Die Sklavenideologie vom Lohn als Leistungsausgleich ist der moralistische Auswuchs des Arbeitskultes und die unmittelbare treibende Kraft hinter dem subtilen, unausgesprochenen Arbeitszwang der gegenwärtigen bürgerlichen, ökonomisierten Gesellschaft. Und damit letztlich auch der Unterwerfung der Menschen unter das liberale ökonomistische Herrschaftsgefüge.

Eben genau deswegen ist es nicht Leistung, sondern Leben, das sich lohnen muss. Das Leben muss wieder soviel wert sein, dass Arbeit in einem ökonomisierten Rahmen, unter Kapitalverwertungsbedingungen, kein Selbstzweck und kein Selbstbetrug mehr ist, sondern Mittel zum Zweck. Nämlich der gesellschaftlichen Bedarfsbefriedigung und der individuellen Sinngebung. Und wenn Arbeit darüber hinaus kein ökonomisches Zwangssystem, sondern ein kultureller Teilhabeprozess ist.

Ein entscheidender Schritt dahin, und damit auch zur Überwindung des Arbeits- und Lohnkultes ist der Vollzug einer grundlegenden Trennung von Arbeit und Einkommen. Nicht Arbeit, sondern Einkommen muss sich lohnen. Nämlich um zu leben, um arbeiten zu können. Und nicht um zu arbeiten, um leben zu können. Auch nicht leben, um zu arbeiten. Sondern eben leben, um arbeiten zu können.

Und zwar nicht mehr nur für ein Einkommen, vor allem nicht für ein Lohn-Einkommen, sondern primär für sich selbst und vielleicht auch andere. Erst wenn Arbeit nicht mehr dem Einkommen, sondern dem Leben dient, verschieben sich die Prioritäten und es wird der Raum für ein sinnvolles und Bedürfnisorientiertes Arbeiten geschaffen.

Wenn Arbeit kein Selbstzweck und kein Selbstbetrug mehr ist, sondern Einkommen an die Stelle des Lohn- und Leistungskultes rückt, und zwar als unveräußerliches, bedingungsloses Lebens- und Teilhaberecht, kann sich eine Gesellschaft entfalten, in der sich Arbeit nicht mehr lohnen muss, weil es sich stattdessen nun zu leben lohnt. Weil an die Stelle eines arbeitskultischen Zwangsarbeitskollektivs das Wohl, die Freiheit und Würde des Individuums, jedes einzelnen Menschen und dessen gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe, Mitbestimmung und Gestaltung treten.

Weil Arbeit nicht mehr dem Einkommen dient, bzw. genauer: der Unterwerfung des Individuums durch ein Belohnungs-Einkommen, sondern weil vielmehr Einkommen der Arbeit dient, bzw. genauer: dem gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben mitsamt seinen unterschiedlichsten Formen der Arbeit.

Wo Arbeit den Zweck der nicht nur materiellen, sondern auch kulturellen und politischen Bedarfsbefriedigung erfüllt, muss diese Arbeit durch Einkommen prinzipiell so teuer sein, dass sie die Notwendigkeit, das Potenzial und das Ausmaß dieser Bedarfsbefriedigung ökonomisch darstellt und realisiert. Nicht, damit sich Arbeit (wieder) lohnt, sondern vielmehr der Sinn und Zweck dieser Arbeit. Auch in Form von Einkommen, das sich erst dann lohnt, wenn es Arbeit ermöglicht und würdigt, und nicht belohnt und ausgleicht.

Wo Arbeit den Zweck sowohl zur Bedarfsbefriedigung als auch zur individuellen Sinngebung nur teilweise, kaum oder gar nicht erfüllen kann, muss sie durch eine entsprechende Verteuerung durch Einkommen dem ökonomischen Druck ihrer Veränderung, Verminderung oder Auflösung ausgesetzt werden. Damit sich nicht Arbeit (wieder) lohnt, sondern der Sinn und Zweck von Arbeit. Auch in Form von Einkommen, das sich lohnt, weil es Arbeit ermöglicht und entschädigt, aber nicht belohnt und ausgleicht.

Damit Arbeit dem Menschen dient, anstatt umgkehrt. Damit sich statt Arbeit das Leben lohnt. Damit das Leben wieder einen inneren, eigenen Wert zugesprochen bekommt, und mit ihm der einzelne Mensch. Ein Wert, der nicht vom arbeitskultischen Sozialdarwinismus, dem Nützlichkeitsrassismus des bürgerlichen Liberalismus und seiner Produktionsmaschinerie und Kapitalverwertung bestimmt wird, sondern von den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Potenzialen des Menschen.

Nicht Leistung, sondern Leben, nicht Arbeit, sondern Menschsein, nicht Nützlichkeit, sondern Dasein muss sich wieder lohnen. Einkommen muss sich lohnen, wenn es und damit es dem Leben dient. Die neoliberale Parole "Leistung muss sich (wieder) lohnen" ist dagegen wie ihr moralistisch-dogmatischer Kern, die Konzentrationslagerdoktrin "Arbeit macht frei", die ideologisch-programmatische Sackgasse der gegenwärtigen bürgerlich-liberalen (Zwangsarbeits-)Gesellschaft.

Es sind moralistische Irreführungen einer sozialdarwinistischen Herrschaftsattitüde, einer machtpolitischen Demagogie, die den bereits begonnenen Kollaps des ökonomistischen Herrschaftsgefüges des Liberalismus nicht nur nicht aufhalten können, sondern nur beschleunigen. Der diametrale Gegenentwurf zu dieser menschen- und freiheitsfeindlichen Gesellschaftsordnung und deren Zusammenbruch ist das Bedingungslose Grundeinkommen.

 

 

 

 

 

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Freiheit durch Grundeinkommen - statt Arbeitskult

Anhand der aufkommenden und zunehmenden Diskussionen um ein Bedingungsloses Grundeinkommen zeigt sich, dass es dabei vor allem um das bisherige, bestehende Konzept von Ökonomie und Sozialstaat geht. Es zeigt sich, dass sich die Gegner dieses Konzeptes eines Bedingungslosen Grundeinkommens zutiefst bedroht fühlen. Völlig zurecht.

Das bedingungslose Grundeinkommen reformiert die gegenwärtige Ökonomie und Gesellschaftsordnung nicht nur – es zersetzt diese grundlegend. Bedroht sind dabei allerdings nicht Ökonomie und Gesellschaft an sich, sondern vielmehr die bestehende paternalistische und feudalistische Zwangsarbeitsgesellschaft und der an diese geknüpfte Sozialstaat.

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