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Der Lohnkult: Das Dogma von Arbeit und Einkommen PDF Drucken E-Mail
Montag, den 30. Mai 2011 um 15:45 Uhr

Vor einiger Zeit versuchte ein Kommentar in der SZ die Vorzüge des Sozialstaatsprinzips, der Umverteilung von oben nach unten, gegenüber dessen neoliberalen und zinskapitalistischen Gegenstück, der Umverteilung von unten nach oben zu preisen. Nur wenig später haute etwa ein weiterer Artikel im sozialdemokratischen Propagandaorgan taz in die selbe Kerbe.

Letztlich sind dies nur zwei Beispiele für einen Kult, für eine Massenpsychose, von der die gesamte moderne, bürgerliche Gesellschaft befallen ist. Diese kollektive Geisteskrankheit manifestiert sich konkret auch in jenem Dogma vom autoritären Sozialstaat und seiner alimentierenden Umverteilungsmaschinerie. Zwanghaft, ja eigentlich wahnhaft wird die Umverteilung beschworen und dabei als "gerecht" und "nachhaltig" moralisiert.

Genauso wahnhaft, und nicht weniger dogmatisch wie das Prinzip der Umverteilung von oben nach unten ist auch dessen neoliberaler Gegensatz, die Umverteilung von unten nach oben. Das eigentliche, und abgestandenste Dogma aber, das die gegenwärtige Gesellschaft zersetzt, und das im Kern jedes Umverteilungswahns steckt und Sozialstaatsapologetische Ausführungen wie die oben genannten durchzieht, ist aber der Erwerbsarbeits- und damit auch Lohnkult.

Dieser Arbeitskult, also das (industriell geprägte) Arbeiten zum (kapitalistischen) Selbstzweck, ist die eigentliche Wurzel des Problems einer dem Zinskapital völlig ausgelieferten Gesellschaft. Dieser Kult bzw. der von diesem begleitete Wahn ist das eigentliche, heimliche, aber zentrale Machtinstrument, mit dem Menschen dressiert, zerrüttet, in eine Produktionsmaschinerie eingefügt, und damit letztlich unterworfen werden.

Dieser Arbeitskult ist das Dogma, das daher zuerst fallen und überwunden werden muss. Das Zinsdogma, und der von diesem begleitete Wachstumszwang allein reicht dagegen bei weitem nicht aus. Das Dogma vom (ausschließlich positiven) Zins ist zwar der zentrale ökonomische Mechanismus der Unterwerfung, aber nicht deren eigentliche, unmittelbare Triebkraft. Der zentrale Grundirrtum der Sozialstaatsapologeten, wie auch neoliberaler Rattenfänger, beruht auf dem viel grundlegenderen Dogma des bürgerlichen Arbeitsfetisch.

Dieser Grundirrtum ist aufgrund seiner wahnhaften Intensität und Ideologisierung selbst ein weiteres Dogma geworden – das Dogma, dass sich Arbeit lohnen müsse. Nichts könnte falscher sein als das. Denn der darin zum Vorschein kommende Lohnkult stellt das zentrale psychologische Moment dar, mit dem Menschen entmündigt und gefügig gemacht werden.

Nämlich durch die perfide arbeitskultische Suggestion, dass Leistungen, Fleiß, Mühen, Leiden durch ein Einkommen belohnt werden würden, und überhaupt belohnbar wären. Und damit letztlich auch, dass der durch Einkommen ermöglichte Lebensstandard erst verdient werden müsse, eine Belohnung für eine zuvor zu erbringende Leistung darstelle.

Diese moralistische Perfidie, die auf einer infantilen emotionalen Manipulation beruht, ist die Wurzel sämtlicher, als soziale Kompetenz, Leistungsfähigkeit und Führungsqualitäten missgedeuteter Psychosen, letztlich auch der kulturellen Massenpsychose des gesamten Abendlandes.

Dieser kollektive Wahn eines infantilen Belohnungsmusters, das Dogma der Lohnarbeit, liefert die Menschen einer Produktions- und Kapitalverwertungsmaschinerie aus, die sich dadurch schließlich in eine totalitäre Wirtschaftsordnung auswächst, die Gesellschaft und Politik vollständig vereinnahmt und dominiert.

In ihr stellen Arbeitseinkommen die einzig reguläre Form von Einkommen dar. Auf diese Weise wird Arbeit zum Einkommenszwang und damit letztlich zum Selbstzweck. Aus der Gesellschaft wird eine subtile Zwangsarbeitsgesellschaft, die immer mehr und immer neue Arbeit schaffen muss, um sich mit Einkommen zu versorgen.

Dies wiederum macht ausuferndes Wachstum und einen entsprechenden Wachstumsmechanismus und einen Wachstumskult erforderlich, dem sich Menschen bereitwillig unterwerfen. Mit dem Wachstumsdogma verselbstständigt sich der Arbeitszwang und das Lohnarbeitsdogma, dem schließlich auch der autoritäre, alimentierende Sozialstaat und sein Prinzip, sein Dogma der Umverteilung von oben nach unten unterworfen ist.

Angesichts der elementaren Unterwerfungs- und Herrschaftsfunktion des Lohnarbeitsdogmas und des durch dieses ausufernden Wachstumsdogmas und Wachstumsmechanismus, des Zinssystems, wird deutlich, wie reaktionär und destruktiv auch das Umverteilungsdogma ist. Nämlich in demselben Ausmaß, wie dies auch das Lohnarbeitsdogma ist, und wie beide zur Aufrechterhaltung und Ausweitung des obrigkeitsstaatlichen und wirtschaftstotalitären, neofeudalen Status Quo dienen.

Und so reaktionär und destruktiv, so wahnhaft und repressiv, wie diese letztlich also lediglich Herrschaft legitimierenden und etablierenden Dogmen sind, so freiheitsfeindlich, irrational und falsch sind sie dementsprechend auch. Arbeit, Leistung, Schufterei, Selbstaufopferung, in einem industriell geprägten, kapitalverwertenden Kontext, muss sich eben nicht lohnen, und darf sich auch gar nicht lohnen.

Vielmehr ist es das Leben, das sich lohnen muss. Es muss sich lohnen zu leben, aber nicht, um zu arbeiten, sondern um arbeiten zu können, und zwar in jeder nur denkbaren, in industrieller, politischer, sozialer, häuslicher oder kultureller Art und Weise. Einkommen muss sich lohnen, also eben nicht als Belohnung für Arbeit, sondern als Ermöglichung von Arbeit. Als Daseinsberechtigung, und als soziale, ökonomische und politische Teilhabe- und Gestaltungsermöglichung. Als ökonomische Grundlage eines selbstbestimmten Lebens.

Es ist ungeheuer wichtig, solche feinen, genauen Unterscheidungen zu treffen, aufgrund der Freiheitsvergessenheit der Menschen, welche ihre Abrichtung durch den Lohnarbeitskult verursacht. Die Aufhebung und Überwindung des Dogmas der Verknüpfung von Arbeit und Einkommen gehört zu den wichtigsten und wirklichen, notwendigen Zielen für die unmittelbare Zukunft, um die es kein Herumkommen gibt.

Dann muss sich anschließend auch nicht länger an reaktionäre Umverteilungsprinzipien geklammert werden, sondern es kann eine grundsätzlich neue, den Bedingungen und Erfordernissen einer modernen Ökonomie, nämlich einer fremdversorgerischen, arbeitsteiligen, kapitalverwertenden Wirtschaftsordnung angemessene Gesellschafts- und Rechtsstaatsordnung aufgebaut werden.

Eine Gesellschaft, in der Arbeit und Produktivität, und mit diesen die Ökonomie als Ganzes der Gesellschaft untergeordnet, zu Diensten ist, und nicht, wie derzeit, eine totalitäre Machtsphäre mit dogmatischen Alternativlosigkeiten und unterwürfig-aggressiven Massenpsychosen darstellt. Eine Wertschöpfungsbasierte und Konsumorientierte Verteilungs- und Teilhabegesellschaft, anstelle der heutigen Arbeitsbasierten und Produktivitätsorientierten Umverteilungs- bzw. Übervorteilungsgesellschaft.

An einer Überwindung der Entstehung unproduktiver, schuldenbasierter Vermögen, also zinskapitalistischer Geldschöpfung, führt daher ebenso kein Weg vorbei, wie an der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Um die neoliberalen gleichermaßen wie die genuin sozialistischen Irrwege und Dogmatiken verlassen zu können und einer freiheitlichen Gesellschaft den Weg zu ebnen, in der nicht Arbeit, sondern Teilhabe, nicht (subtiler) Arbeitszwang, sondern das Daseinsrecht, nicht Belohnung, sondern Berechtigung die Grundlage des individuellen wie sozialen Lebens darstellen.


 

 

 

 

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Das Bedingungslose Grundeinkommen: Psychologische Aspekte

Unter dem Titel "Die Re-Humanisierung der Gesellschaft?" erläutert der Psychologe Prof. Theo Wehner die psychologischen Aspekte des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wehner erforscht als Arbeits- und Organisationspsychologe u.a. auch menschliche Tätigkeitsmotive. Das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens erscheint ihm dabei weniger utopisch als der moderne Mythos von der Vollbeschäftigung. Das gesamte Interview gibt es hier als pdf-Datei zum Lesen und Herunterladen. Im Folgenden drei kurze Auszüge aus dem Interview, das letztes Jahr in der Dezember-Ausgabe der schweizerischen Fachzeitschrift "Psychoscope" erschien.


"Seit 1970 erhöht sich die Zahl der Güter und Dienstleistungen, die wir pro Stunde zu produzieren in der Lage sind, jährlich um ca. 2,6 Prozent. Dies entspricht einer Verdoppelung der Produktivität in 27 Jahren! Berücksichtigt man zusätzlich die Arbeitslosenquote – in der Eurozone liegt sie bei 9,4 Prozent – und nimmt zur Kenntnis, dass sich durch die Globalisierung das Angebot an Arbeitskräften auf ca. 3 Milliarden erhöht hat, so ist Vollbeschäftigung – wenn man einmal von sittenwidrigen Verträgen und Dumpinglöhnen absieht – die utopischere Vorstellung als jene des bedingungslosen Grundeinkommens (bGE)."

"Abgesehen von der erstaunlichen Unwissenheit darüber, was Kommunismus tatsächlich bedeutet, nämlich die Freiheit des Einzelnen gerade nicht zu stärken und ihn in den Arbeitsdienst zu schicken, und abgesehen davon, dass auch einige bGE-Mitstreiter von einer «capitalist road to communism» sprechen, geht es bei der Auseinandersetzung nicht um Verteilungsprobleme oder um den Besitz von Produktionsmitteln; es geht vielmehr um ein Menschenrecht, nämlich jenes der Existenzsicherung jenseits der Notwendigkeit zur Lohnarbeit. So wie wir mit dem Eintritt in die Gesellschaft die Bürgerrechte bedingungslos bekommen, so kann man sich durchaus vorstellen, dass ein Grundeinkommen, bedingungslos und über der Armutsgrenze liegend, jedem Bürger und jeder Bürgerin gewährt wird."

"Versetzen wir uns gedanklich in die Zeit des bGE, so würde ich vermuten, dass Psychologinnen und Psychologen nicht mehr nur im Dienste der Selektion, Qualifizierung und Eingliederung in den Erwerbsarbeitsprozess sowie der Reparatur von negativen Auswirkungen durch Erziehung, Schule und Arbeit, sondern im Dienste der Selbstverwirklichung und in der Umsetzung von Kriterien «guter Erziehung, Bildung und Arbeit» tätig sein würden; ob dazu der Mainstream momentaner Variablenpsychologie taugt, ist allerdings zu bezweifeln! Vieles an Forschung, womit heute «Impact» erzielt werden kann, würde in Zeiten des bGE u.U. keinerlei Eindruck mehr machen; es würde vielmehr deutlich, wie sehr ein Grossteil heutiger Forschung als Lohnarbeitspsychologie zu kennzeichnen wäre."

 

 

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